„1914 – Mitten in Europa“. Presseerklärung zum Verbundprojekt des LVR

„Der Krieg ist ein Chamäleon“ (Gerd Krumeich). Wissenschaftlicher Beirat unterstützt Auseinandersetzung mit historischen Fragen zum Ersten Weltkrieg/LVR übernimmt mit Verbundprojekt Vorreiterrolle

Rheinland. 16. Juli 2013. „Der Krieg ist ein Chamäleon“. Mit diesem Zitat des preußischen Generals und Militärtheoretikers Carl Philipp Gottlieb von Clausewitz (geb. 1780) bilanziert der Düsseldorfer Universitätsprofessor Dr. Gerd Krumeich, einer der bekanntesten deutschen Historiker, die über den Ersten Weltkrieg gearbeitet haben, die Erkenntnisse seiner Forschungstätigkeit zu diesem Thema. Der Krieg sei stets unberechenbar was man gerade am Ersten Weltkrieg, an dessen Ausbruch und Verlauf, nachvollziehen könne. Der Krieg, in den man 1914 hineinging, hatte nur sehr wenig zu tun mit dem  Krieg, aus dem man 1918 wieder herauskam. Am Anfang gab es noch kein Gas, kein Panzer, kein Bombardement aus der Luft. Und niemand hatte eine Ahnung davon, wozu die industrialisierten Nationen technisch fähig sein würden. 50 Millionen mobilisierte Soldaten weltweit? Zehn Millionen Tote? Die von 1914 hätten über so etwas nur den Kopf geschüttelt.

Für das Verständnis heutiger komplexer geschichtlicher Zusammenhänge und kriegerischer Auseinandersetzungen sei eine solche Rückschau unverzichtbar. „Meist beschränkt sich dies auf die Betrachtung der Geschehnisse rund um den Zweiten Weltkrieg“, so Krumeich. Aber gerade der Erste Weltkrieg zeigt uns die „Entwicklungs-Möglichkeiten“ jeden Krieges. Weshalb es immer gefährlich sei, mit dem Feuer zu spielen und vermeintlich beschränkte Kriege, vom Irakkrieg bis zum Drohnen-Einsatz zu planen. „Der Krieg ist eben immer ein Chamäleon. Dieses Wissen sollte sich auch in der Gestaltung der Lehrpläne niederschlagen“, fordert Krumeich.

Unterstützung bei seiner Bewertung findet Krumeich in dem wissenschaftlichen Beirat, den der Landschaftsverband Rheinland (LVR) für sein Verbundprojekt „1914 – Mitten in Europa. Das Rheinland und der Erste Weltkrieg“ einberufen hat und dem er selber auch angehört. „Das Projekt widmet sich dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges vor hundert Jahren auf sehr vielschichtige Weise und ist deswegen gut geeignet, eine andere Betrachtungsweise zu initiieren. Die Beteiligung vieler Akteure und die breite Thematisierung ist bundesweit einmalig“, unterstreicht der Beirat.

Alle Kulturdienste und Museen des LVR-Dezernats für Kultur und Umwelt sind einbezogen, aber auch die LVR-Kliniken in Bonn und Düren, um unter dem Motto „1914 – Mitten in Europa. Das Rheinland und der Erste Weltkrieg“ ein Epochenbild zu zeichnen. Dabei gilt das Rheinland schon damals als kulturelle Transferregion zwischen Berlin und Paris bzw. Brüssel. Um diese spannende Zeit zu veranschaulichen, werden ab September 2013 bis Ende 2014 zwölf Ausstellungen mit unterschiedlichen Schwerpunkten Themen beisteuern, wobei neben allen LVR-Museen auch externe Häuser mit von der Partie sein werden.

Die „Leitausstellung“ wird im April 2014 auf Zeche Zollverein in Essen gezeigt.
Dieser Sequenz von Ausstellungen ist ein internationaler Kongress im LVR-LandesMuseum Bonn vorgeschaltet, der vom 23. bis 25. September 2013 fach- und grenzüberschreitend die Mitte Europas am Vorabend des Ersten Weltkrieges auszuloten versucht. Neben den Fachbeiträgen spielen auch Fragen zur Vermittlung im Unterricht eine zentrale Rolle. Zahlreiche Exkursionen und Sonderveranstaltungen begleiten die Ausstellungen und bieten Erkundungstouren auch über das Rheinland hinaus an.

„Der LVR hat mit diesem Programm eine Vorreiterrolle in der Aufarbeitung dieses auch für die Geschichte Europas und die Entfaltung der Moderne wichtigen Zeitabschnitts übernommen“, bestätigt die renommierte Literaturwissenschaftlerin und Vorsitzende des Beirates Prof. Dr. Gertrude Cepl-Kaufmann (Düsseldorf).

Weitere Informationen unter
www.rheinland1914.lvr.de
www.kongress1914.lvr.de

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s