Ringvorlesung: „Neue Gärten braucht das Land“ Juniorprof. Dr. Christof Baier

„Neue Gärten braucht das Land. Entnazifizierung und Amerikanisierung der Gartenkunst im Rheinland nach 1945“ – Christof Baier widmet sich in seinem Vortrag als viertem Teil unserer Ringvorlesung der Gartenkunst nach 1945. Interessierte sind wie stets herzlich willkommen, dieses Mal im Schloss Benrath am 8.12.2016, 17.00 Uhr.

Zum Vortrag:

Anhand der zweifellos kontrovers zu diskutierenden Begriffe Entnazifizierung und Amerikanisierung werden Aspekte der Grünraumplanung im urbanen Kontext thesenartig thematisiert. Dabei wird das Jahrzehnt von 1945 bis 1955 im Fokus stehen.

Nach dem Ende des 2. Weltkriegs und des NS-Regimes lagen auch die Städte am Rhein in Trümmern. In den ersten Nachkriegsjahren mussten nicht nur die Trümmermassen sondern auch die sichtbaren architektonischen, städtebaulichen und gartenkünstlerischen Überreste der nationalsozialistischen Herrschaft entsorgt werden. So ist der Umstand, dass im Kölner Grüngürtel der 1938 eingeweihte Fest- und Aufmarsch (Maifeld) unter einem riesigen, asymmetrisch-landschaftlichen Trümmerberg beerdigt wurde, zweifellos als Entnazifizierung zu verstehen. In Düsseldorf betrieben der Gartendirektor Ulrich Wolf und Georg Penker gut 10 Jahre später eine solche ‚Entnazifizierung‘ der Grünanlagen der  Reichsausstellung Schaffendes Volk von 1936 sehr viel differenzierter. Die sich mit diesen Beispielen andeutende Gleichsetzung und damit Ablehnung des ‚architektonischen Gartenstils‘ mit monumentaler Raumkunst des Nationalsozialismus ist noch immer ein zu wenig bearbeitetes Forschungsfeld.

Die amerikanische Militärregierung versuchte, auch auf dem Gebiet der Architektur eine entnazifizierende Neuorientierung zu bewirken. Dazu ließ sie ab 1948 eine Wanderausstellung mit vorbildlicher amerikanischer Architektur durch die Amerikahäuser ziehen. Zu den ersten größeren und städtebaulich bemerkenswerten Bauvorhaben der Nachkriegsjahre gehören die für die deutschen und amerikanischen Angehörigen und Angestellten der HICOG („High Commissioner of Germany“) in Bonn um 1951 in Bonn realisierten Siedlungen. Entworfen unter der Oberleitung von Sep Ruf, waren für deren Grünraumplanung die Gartenarchitekten Hermann Mattern und Heinrich Raderschall zuständig. In Verbindung mit der Wanderausstellung ist hier zu klären, in wie fern sich hier von einer  „Amerikanisierung“ der städtebaulichen und architektonischen Gestaltungsprämissen, vor allem aber der Freiraum- und Grünplanung sprechen lässt.

Insgesamt muss konstatiert werden, dass bisher, von Einzeluntersuchungen abgesehen, auch zum Rheinland übergreifend-vergleichende Untersuchungen zu den genannten Themenfelder fehlen. Mit der 2015 u.a. von der Deutschen Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur mit initiierten „Wiener Erklärung zur Nachkriegsmoderne“ wurde endlich auch für die Erforschung und Bewahrung der Grünräume der 1950er und 1960er Jahre ein Startzeichen gegeben.

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