Ende der Bonner Republik? Der Berlin-Beschluss 1991 und sein zeithistorischer Kontext

Call for Papers, Bewerbungsschluss: 09.09.2020

Veranstaltet von: Kommission für Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien e.V. (KGParl); Institut „Moderne im Rheinland“ an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf; Forschungsverbund zur „Bonner Republik“ der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf; Landschaftsverband Rheinland (LVR)

Datum: 24./25. Juni 2021

Ort: Berlin

Bonn, 20. Juni 1991: Als der Bundestag über den Sitz von Parlament und Regierung debattierte, waren sich Akteure und Beobachter_innen darüber einig, dass sie einen Moment von historischer Tragweite erlebten. So war die knappe Mehrheit für Berlin mehr als nur ein Umzugsbeschluss. Die Rückverlagerung der deutschen Hauptstadt um „fünfhundert Kilometer Ostnordost“ (so Friedrich Dieckmann 1997 im „Merkur“) resultierte aus der nationalen Wiedervereinigung am Ende des Ost-West-Konflikts. Sie erfolgte darüber hinaus im Kontext sich beschleunigender Veränderungsprozesse in Politik, Gesellschaft, Kultur und Medien. Inmitten einer komplexen Übergangsphase wurde das kollektive Selbstverständnis der Deutschen neu verhandelt, nicht zuletzt im Medium der kulturtopographischen Metaphern „Bonn“ und „Berlin“.

30 Jahre danach findet am 24./25. Juni 2021 in Berlin eine interdisziplinäre Tagung statt, um die Bonn-Berlin-Debatte politik- und kulturgeschichtlich zu kontextualisieren. Die Konferenz wird veranstaltet von der Kommission für Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien (KGParl), dem Institut „Moderne im Rheinland“ an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, dem Forschungsverbund zur „Bonner Republik“ der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und dem Landschaftsverband Rheinland (LVR).

Ausgehend von der Hauptstadtdebatte in Parlament und Öffentlichkeit, diskutiert die Tagung die zeithistorischen Verschiebungen ebenso wie die Schritte, mit denen der Übergang von der sogenannten Bonner in die Berliner Republik symbolisch vollzogen wurde (z. B. „Wrapped Reichstag“, Holocaust-Mahnmal). Untersucht werden zudem die medialen Konstruktionen und kulturtopographischen Zuschreibungen zwischen „alter“ und „neuer“ Bundesrepublik. Mit ihrer interdisziplinären Perspektive hat sich die Tagung auch zum Ziel gesetzt, die fachspezifischen Diskurse, Periodisierungen und Narrative der vergangenen drei Jahrzehnte kritisch zu hinterfragen.

Mit diesem Call for Papers laden wir Sie herzlich dazu ein, sich mit einem Themenvorschlag für einen Vortrag von 20–25 Minuten zu bewerben. Reise- und Übernachtungskosten werden für die Vortragenden übernommen. Bitte senden Sie Ihr Exposé im Umfang von einer Seite mit kurzen biographischen Angaben bis zum 9. September 2020 an: wintgens@kgparl.de sowie grande@phil.hhu.de.

Erwünscht sind Vorschläge zu folgenden Themenschwerpunkten:

1.      Bonn oder Berlin? Die Debatte im Bundestag

–       Akteure und Argumente

–       Mehrheitsfindung ohne „Fraktionszwang“

–       Rhetorik und Performanz

2.      Über Bonn und Berlin: Räume, Diskurse, Repräsentationen

–       Hauptstadt-, Nations- und Intellektuellendiskurse; Medien als Akteure und Arenen

–       Begründung der „Berliner Republik“; retrospektive Erfindung der „Bonner Republik“?

–       Räume und Repräsentationen in Literatur, Kunst, Film etc.

–       Geophilosophische/kulturtopographische Prozesse im Kontext von Urbanität und Region

–       Zentralmacht Europas? Deutschlands neue, alte Mittellage

–       Bonn und Berlin aus Sicht der DDR bzw. der ostdeutschen Länder

–       Bonn und Berlin aus Sicht der ost- und westeuropäischen Nachbarn

–       „Preußen“ als Argumentationsfeld der Diskurse und Debatten

–       Jenseits von Bonn und Berlin: Alternative Gemeinschaften/Verortungen zwischen Föderalismus, Europäisierung und Globalisierung

3.      Von Bonn nach Berlin: Die Übergangsphase der 1990er Jahre

–       Umzugsmanagement; Bonn-Berlin-Gesetz; Kommunikation und Pendelverkehr; Städtereisen und touristische Narrative

–       Umbau Berlin; Holocaust-Mahnmal; Palast der Republik/Stadtschloss/Humboldt Forum

–       Neuerfindung Bonn; UNO-Campus; Medien und Telekommunikationswirtschaft

–       Musealisierung und Ausstellung; Haus der Geschichte/Deutsches Historisches Museum

Kontakt:

Dr. Benedikt Wintgens, Kommission für Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien e.V., Schiffbauerdamm 40, 10117 Berlin, wintgens@kgparl.de

Dr. Jasmin Grande, Institut „Moderne im Rheinland“ an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf; 24.52.00.21, Universitätsstraße 1, 40225 Düsseldorf, grande@phil.hhu.de