Fazit

V.     Fazit

„Immer ist die Szenekunst eine Kunst des Augenblicks…“[1]

So bestimmt Heinz Bruno Gallée, selbst Bühnenbildner, Zeichner und Maler, die szenische Kunst. Wie welchen Mitteln aber kann es gelingen, diesen Augenblick auf der Bühne darzustellen? Eduard Sturm gibt mit seinem bühnenbildnerischen Werk eine innovative Antwort auf diese Frage. In seinen Arbeiten erweist Sturm sich als ein „Bühnenbildner mit Regie Instinkt“, der konsequent den Zusammenhang von Sprache und Szenenraum zu realisieren versuchte[2], um den szenischen Augenblick tatsächlich kunstvoll zu gestalten.

Dies konnte in der vorliegenden Arbeit anhand von zwei Bühnenbildentwürfen Sturms anschaulich gemacht werden. Die analysierten Entwürfe zu Peer Gynt und zu Kaiser und Galiläer fallen in unterschiedliche Werkphasen Sturms, die seinen zwei Karrieren am Schauspielhaus Düsseldorf entsprechen. In beiden Arbeiten zeigt sich deutlich die Innovationskraft Sturms, die zwar neuartige Ansätze anderer Bühnenbildner durchaus aufgreift, aber nicht im Epigonalen verbleibt, sondern stets darum bemüht ist, diese produktiv weiterzuentwickeln.

Die Einteilung in eine frühe und späte Phase ist freilich noch zu grob, um dem vielgestaltigen Œuvre Sturms wirklich gerecht zu werden. Für die weitere Forschung zu Sturm käme es darauf an, jede Inszenierung stärker als hier geschehen in Bezug zur geltenden zeitgenössischen Aufführungspraxis und zum Inhalt des aufgeführten Stückes zu setzen.

Die vorliegende Arbeit kann nur ein erster Schritt sein, Leben und Werk Eduard Sturms genauer zu erforschen. Es bedarf zum einen umfangreicherer Archivrecherchen, um bislang noch im Dunkeln liegende biographische Stationen Sturms (etwa seine Zeit in Paris) zu erhellen, und um das Verzeichnis seiner Werke möglichst weitgehend zu komplettieren. Zum anderen sind für die Erschließung und Interpretation der Werke Sturms vorab noch methodische Fragen zu klären. Wie lässt sich ein Bühnenbild überhaupt interpretieren? Kann man dabei auf Verfahren zurückgreifen, die sich in der Kunstgeschichte bei der Analyse und Interpretation von Werken der bildenden Kunst bewährt haben? Oder gilt es, den Besonderheiten eines Bühnenbildes durch angepasste oder sogar gänzlich neue Methoden Rechnung zu tragen? Es gilt also, einen Leitfaden für die theoretisch-wissenschaftliche Beschreibung eines Bühnenbildes zu etablieren.

 Jisue Buyn und Fida  Soubaiti-El-Ali

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[1] Gallée, Heinz Bruno: Vom Raumbild zum Bildraum: Wien u. a. 1992: S.9.

[2] Vgl. Linke: Gustav Lindemann, S. 168.

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