StadtRäume – Einladung zum Workshop

Kulturgeschichtliche Annäherungen an die ‚Zwischenkriegszeit‘ im Rheinland (und Europa)

10.-12.07.2020 Thomas-Morus-Akademie/Kardinal-Schulte-Haus, Bensberg

aus der Ankündigung:

„Geschichte beschreibt den Menschen in Zeit und Raum, so lautet eine ebenso griffige wie weit verbreitete Definition. Dass Vergangenheit ein Geschehen in der Zeit darstellt, dass in der Geschichte oder besser: in Geschichten beschrieben wird, liegt auf der Hand. Ins Hintertreffen gerät aber nicht selten der Raum. Zwar ist ebenso offensichtlich, dass der Mensch sich im Laufe der Zeit dem Raum anpasst, den er vorgefunden oder den er aufgesucht hat, und ihn in der Weise kultiviert, wie es ihm notwendig erscheint und ihm mit seinen (technischen) Mitteln möglich ist. Die meisten Einleitungskapitel der üblichen Ortschroniken handeln davon, wenn sie eingangs die naturräumlichen Gegebenheiten erläutern.

Weniger offensichtlich ist hingegen, dass der Raum auch dann, wenn er längst vom Natur-zum Kulturraum geworden ist, das Leben der Menschen beeinflusst indem er deren Bewusstsein prägt, und zwar immer wieder von neuem. In immer wieder neuen Anläufen prägt der Raum das Bewusstsein und das Bewusstsein ist Ausgangspunkt für immer weitere Umgestaltungen des Raums. Es ist ein unablässiges Wechselverhältnis, indem Raum und Bewusstsein stehen. Das ist die Grundannahme, von der das Projekt ausgeht, in den dieser Workshop eingebettet ist.

Die Entstehung der Stadt, die vor Jahrtausenden im Osten begann, hat spätestens mit der Römerzeit auch das Rheinland erfasst. Es waren Legionslager der Römer, aus denen die ersten rheinischen Städte hervorgegangen sind. Im Raum dieser Städte dominierte nicht lange das Militärische. Rasch kamen weitere Baulichkeiten hinzu, die der Verwaltungsinfrastruktur, und andere, die den kulturellen Bedürfnissen dienten, wie sie die Römer aus ihrer Heimat mit an den Rhein gebracht hatten. Die römische Kultur gab dem Rheinland ein neues Raumgefüge. Die Romanisierung hat also auch eine räumliche Komponente!

In der Folgezeit wandelten auch im Rheinland die Städte immer wieder ihr Gesicht und neue Typen entstanden, die neue Raumordnungen im Inneren und neue Raumordnungen nach außen hervorbrachten.

Eine Phase, in der die städtischen Räume sich verdichteten und das Land infolge der Industrialisierung immer dichter mit Städten überzogen wurden, ist die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts. Mit einem Ausschnitt dieser Phase, der so genannten Zwischenkriegszeit (1918-1939) befasst sich das Projekt Stadtentwicklung in der „Zwischenkriegszeit“ in Europa (SEiZiE). In seiner rheinischen Ausprägung soll im Rahmen des Projekts untersucht werden, welche kulturellen Ausprägungen die städtischen Räume in dieser Zeit hervorgerufen haben. Der Workshop möchte in vier Schritten eine Grundlage für ein Netzwerk legen, in das möglichst viele Institutionen und Personen eingebunden werden, die das kulturelle Leben im Rheinland heute befruchten und sich auf eine Zeitreise in die 20er und 30er Jahre des 20. Jahrhunderts einlassen wollen.“

Hier geht es zum Programm und hier geht es zur Anmeldung.

Tipp: Zur Geschichte der Germanistik an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

Ein Bericht über die Anfänge der Germanistik an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf von Gertrude Cepl-Kaufmann, erschienen bei Literaturkritik.de und hier online verfügbar.

Germanistik an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf: Revolution oder Reform? Ein Jahrzehnt ab 1969 – ein Artikel von Gertrude Cepl-Kaufmann

Carl Einstein im Kontext neuer Avantgardetheorien

Carl Einstein war Teil und Motor der europäischen Avantgarde. Mit Werken wie z.B. Bebuquin oder die Dilettanten des Wunders sowie mit seiner inter- und transdisziplinären Positionierung zwischen Literatur, Kunst, Kritik, Aktivismus, mit der Vielzahl seiner Wirkungsräume, seinem weitläufigen Netzwerk und in der Rezeptionsgeschichte seines Werkes ist Einstein fester Bestandteil der Avantgardeforschung. Darüber hinaus ist die Beschäftigung mit seinem Leben und Werk Teil der Arbeit an der Definition von Avantgarde. Die Beschäftigung mit Carl Einstein scheint insofern besonders geeignet um gegenwärtige Verschiebungen in Gebrauch, Verständnis und Theorie der Avantgarde kritisch in den Blick zu nehmen.

Vom 12.-13.3.2020 findet im Kultur Bahnhof Eller die Tagung „Carl Einstein im Kontext neuer Avantgardetheorien“ statt, veranstaltet von der „Moderne im Rheinland“ in Kooperation mit der Carl-Einstein-Gesellschaft/socièté-Carl-Einstein e.V., Veranstalterinnen: Dr. Jasmin Grande, Dr. Eva Wiegmann

Anmeldung über grande@phil.hhu.de


Tagung „unendlich viele freiheitsgrade im öffentlichen raum“ am 5.3.2020

Unendlich viele Freiheitsgrade – im öffentlichen Raum

Tagung des Zentrums für Peripherie am Donnerstag, 5. März 2020 von 9:30 bis 16:00 Uhr
Ort: Am Wittenberger Weg in Düsseldorf-Garath

‘Freiheitsgrad’ ist ein Begriff aus der Physik, der voneinander unabhängige veränderliche Parameter eines Systems bezeichnet. Die Quantenfeldtheorie beschreibt Wechselwirkungen von Feldern untereinander durch unendlich viele Freiheitsgrade.

Die Tagung wagt sich an ein großes Thema unserer Zeit: Wie gelingt es, die Auflösungstendenzen des Privaten und Öffentlichen als Herausforderung zu begreifen und in diesem Prozess neue, gemeinsam erfundene und getragene Räume zu schaffen?

Die interdisziplinäre Tagung ‘Unendlich viele Freiheitsgrade – im öffentlichen Raum’ wertet sieben Jahre künstlerischer Arbeit aus. Sie geht der Freiheit im Denken und Handeln nach, die künstlerisch begleitete Prozesse eröffnen. Sie untersucht, wie durch diese gemeinsamer öffentlicher Raum entsteht. Die Tagung ist ein Beitrag zum Verbundprojekt 100 jahre bauhaus im westen.

Die Differenzierung der Tagungsthemen in eine große Zahl von Unterthemen ermöglicht produktive Zusammenarbeit in Gruppen von bis zu zehn Personen. Nach dem Projektprinzip werden die Themen aus dem Projekt heraus von Kindern, Jugendlichen und Studierenden vorbereitet und zusammen mit Tagungsteilnehmer*innen und Expert*innen weiterentwickelt.

Projektpartner*innen:
Zentrum für Peripherie NRW
Architektenkammer NRW
Institut „Moderne im Rheinland“ an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Baukultur Nordrhein-Westfalen
Landschaftsverband Rheinland

Ab sofort ist die Anmeldung auf www.zentrum-fuer-peripherie.org möglich.

Informationen zur Tagung hier.

Tagung: Die Entstehung einer Hauptstadtregion zwischen Köln, Düsseldorf und Brüssel: Die Bonner Republik

Herzliche Einladung zur Tagung! Jeweils zwei Tage an zwei Orten, jeweils Freitag bis Samstag:

18.-19.10.2019 Teil 1 im LVR-Landesmuseum in Bonn, Colmantstr. 14-16, 22.-23.11.2019 Teil 2: Haus der Universität in Düsseldorf, Schadowstr. 14

Anmeldung unter grande@phil.hhu.de (Achtung: die Plätze sind begrenzt).

CFP: Carl Einstein im Kontext neuer Avantgardetheorien, Düsseldorf (25.10.2019)

Tagungskooperation des Instituts „Moderne im Rheinland“ an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf mit der Carl-Einstein Gesellschaft/Societé Carl Einstein, 12.03.-13.03.2020 in Düsseldorf

Carl Einstein war Teil und Motor der europäischen Avantgarde. Mit Werken wie z.B. Negerplastik und Bebuquin oder die Dilettanten des Wunders sowie mit seiner inter- bzw. transdisziplinären Positionierung zwischen Literatur, Kunst, Kritik, Aktivismus, mit der Vielzahl seiner Wirkungsräume, seinem weitläufigen Netzwerk und in der Rezeptionsgeschichte seines Werkes, ist Einstein fester Bestandteil der Avantgardeforschung. Darüber hinaus ist die Beschäftigung mit seinem Leben und Werk Teil der Arbeit an der Definition von Avantgarde.
Umfassende kultursoziologische Theoriebildung zur Avantgarde wie die von Gehlen, Bürger, Bourdieu und Luhmann, scheinen „heutzutage unmöglich geworden“ (van den Bergh/Fähnders) zu sein. Das Phänomen der Avantgade(n) hat sich als derart facettenreich erwiesen, dass statt einer „Gesamttheorie“ eine theoretische Ausdifferenzierung nach relationalen, zeitlichen und räumlichen Kriterien nötig geworden ist (vgl. Asholt), wobei auch die in den soziologischen Ansätzen vernachlässigten ästhetischen Fragestellungen stärker in den Vordergrund rücken.

In der Avantgardeforschung des 20. Jahrhunderts ist der Begriff der Avantgarde immer wieder aus der Militärsprache hergeleitet worden „Die Avantgarde, die Vorhut, war eine militärische Vorsichtsmaßnahme.“ (Böhringer) Bei aller Differenziertheit der Auseinandersetzung des Avantgardebegriffs zwischen Militär und Künsten diente der aggressive Anteil der Lesart immer auch als Erklärung für avantgardespezifische Irritationen wie die Kriegsbegeisterung der Futuristen. Denn in den rezeptionsgeschichtlichen Narrativen von Moderne und Avantgarde, in denen nur über die Künste der Impuls zu einer zukunftsfähigen Gegenwart und Zukunft in der Moderne erfolgt, wenngleich diese fortwährend an der gläsernen Decke zu Gesellschaft und Politik scheitern, bedurfte es einer Legitimation für die antiemanzipatorischen Anteile in den gleichwohl formalästhetisch modernen oder avantgardistischen Werken und/oder Akteur*innen. Über den Begriff der Avantgarde gelang es, eine semantische Ebene zwischen künstlerischer Innovation und begriffsimmanenter Assoziation einzuziehen, die zugleich eine ästhetizistische Legitimation transportierte: Als künstlerische Innovation unterliegt das als Avantgarde betitelte Werk per se einer moralischen Aufwertung. Die Gründe für die assoziative Aufwertung gemeinsam mit dem Begriff der „Moderne“ sind dabei auch in der direkten Nachkriegszeit und den amerikanischen Bildungsprogrammen zu suchen. Nicht zuletzt ist Avantgarde zu einem Modewort geworden, vergleichbar mit „Moderne“, dessen inhärente Gegenposition zum System durch die Integration in den Ausstellungs- und Forschungsbetrieb systemstabilisierend eingemeindet wurde. „Avantgarde ist heute überall“, konstatiert Wolfgang Asholt. Angesichts des inflationären Gebrauchs in der Gegenwart bedarf es insofern nicht nur einer Ausdifferenzierung im theoretischen Feld, sondern auch einer kritischen Reflexion des Begriffs.

Neue Perspektiven für die Avantgardeforschung ergeben sich auch durch die Vernetzung mit Forschungsansätzen zur Inter- bzw. Transkulturalität. Indem bisher nur unzulänglich berücksichtigte Aspekte der Forschung und Kulturgeschichtsschreibung fokussiert werden, kommt es zu einer Verschiebung der bisherigen Dimensionen des Begriffs der Avantgarde. Als Teil dieser Bewegung lässt sich die Forschung zu den vergessenen oder unberücksichtigten Ideen von Avantgarde und Moderne zählen, z.B. in der Tradition Peter Bürgers, im Sinne der Hauntologie (Derrida) oder auch der Arbeit Jacques Rancières, wie sie aktuell an verschiedenen Orten im Kontext von „Avantgarde“ thematisiert werden. Parallel dazu erfährt der Begriff Avantgarde in den letzten Jahren eine ausweitende Lesart in andere historische Kontexte: Sowohl im Bereich des Barocks als auch der Nazarener Stilrichtung findet er z.B. Anwendung und wird auch in Bezug auf die Frühromantik diskutiert. Insofern scheint Avantgarde nicht mehr ein singuläres Phänomen der Moderne zu sein, sondern eines, das in einem „mehrere literarische Epochen involvierenden Rahmen zu untersuchen“ (Sabaté Planes/Feijóo) ist.

Tagungsausrichtung und -ziel

Mit Blick auf diese Verschiebungen in Gebrauch, Verständnis und Theorie der Avantgarde, möchten wir uns im Rahmen einer Tagung erneut mit dem Werk Carl Einsteins beschäftigen. Ganz im Sinne der transgressiven Stoßrichtung der Avantgarde soll die Ausrichtung disziplinübergreifend sein und auch die Grenzen des Wissenschaftsbegriffs ausloten. Dementsprechend wird die Veranstaltung an einem Ort der freien Kunstszene mit historischem Bezug zur Avantgarde stattfinden, in dem Künstler*innen, Schriftsteller*innen gemeinsam mit den Vertreter*innen des Wissenschaftssystems über die Relevanz Carl Einsteins im Kontext unserer gegenwärtigen Avantgardebegriffe nachdenken.

Erwünscht sind Beiträge in deutscher, englischer oder französischer Sprache zu folgenden Themen und Kontexten:

  • Zur Rezeptionsgeschichte Einsteins im Kontext von Avantgarde und historischer Avantgardetheorie
  • Kritische Reflexionen des Avantgardebegriffs ausgehend von Carl Einsteins Leben und Werk
  • Carl Einstein als disziplinäre Herausforderung
  • Interdisziplinäre und transdisziplinäre Interferenzen: Carl Einstein zwischen Wissenschaft und künstlerischer Praxis
  • Carl Einstein und die Kunst nach 1945. Z.B. zu Einstein und Happenings
  • Befreiungsphänomene und kulturelle Praxis
  • Sprachspiel, Bildspiel – Transfer von Deutungselementen
  • Entmaterialisierungen, die Avantgarde als Entmaterialisierungsereignis
  • Topographische Forschungen zu Carl Einstein
  • Künstler*innen und Gesellschaft: Poeta doctus, poeta laureatus, poeta vatus, schöpferische Indifferenz, etc.
  • Ästhetische Heteronomie
  • Netzwerkforschung: die Avantgarde im Kontext ihrer Netzwerke

Organisatorisches


Wir bitten um Themenvorschläge und Zusendung eines Abstracts (ca. 800 Zeichen) bis zum 25.10.2019 an Dr. Jasmin Grande (Institut „Modernde im Rheinland“ an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf), grande@phil.hhu.de, und Dr. Eva Wiegmann (Carl-Einstein Gesellschaft/ Societé Carl Einstein), e.c.wiegmann@gmx.de.

Literatur

  • Asholt, Wolfang (Hrsg.): Avantgarde und Modernismus. Dezentrierung, Subversion und Transformation im literarisch-künstlerischen Feld, Berlin/Boston 2014.
  • Bergh, Hubert van den/Fähnders, Walter: Die künstlerische Avantgarde im 20. Jahrhundert – Einleitung, in: Dies. (Hrsg.): Metzler Lexikon Avantgarde, Stuttgart/Weimar 2009, S. 1-19.
  • Böhringer, Hannes: Avantgarde. Geschichten einer Metapher, in: Archiv für Begriffsgeschichte 22.1 (1978), S. 90-114.
  • Creighton Nicola / Kramer, Andreas (Hrsg.): Carl Einstein und die europäische Avantgarde/Carl Einstein and the European Avant-Garde, Berlin/Bosten 2012.
  • Magerski, Christine: Theorien der Avantgarde: Gehlen – Bürger – Bourdieu – Luhmann, Wiesbaden 2011.
  • Mauz, Andreas/Weber, Ulrich/Wieland, Magnus (Hrsg.): Avantgarden und Avantgardismus. Programme und Praktiken emphatischer kultureller Innovation, Göttingen 2018.
  • Sabaté Planes, Dolors /Feijóo, Jaime (Hrsg.): Apropos Avantgarde. Neue Einblicke nach einhundert Jahren, Berlin 2012.

Ein kleiner Teil einer großen Bewegung, FAZ über die „Moderne im Rheinland“ am 02.09.2019

„War das Bauhaus in Weimar wirklich so einzigartig? Im Westen Deutschlands gab es Reformschulen, die den Vergleich nicht zu scheuen brauchen. Es lohnt sich, sie wiederzuentdecken.“, mit diesem Satz leitet Gertrude Cepl-Kaufmann ihren Artikel über das Bauhaus aus der Perspektive des Rheinlands ein. Der Artikel erschien am 02.09.2019 in der FAZ.