Petition für das Theatermuseum in Düsseldorf

Eine Vielzahl an Kultureinrichtungen zeichnen das Rheinland aus. Die Dichte der theaterhistorischen Institutionen gehört dazu: neben der Theaterwissenschaftlichen Sammlung der Universität zu Köln gehört hierzu auch das Theatermuseum der Landeshauptstadt Düsseldorf mit seinem umfangreichen Archiv. Dieses ist nun von der Schließung bedroht – der von der Stadt angedachte Umzug würde das Archiv erhalten, jedoch den Ausstellungsbereich schließen. Eingespart würden die Renovierungskosten, die der bisherige Ort, Schloss Jägerhof, erfordert, um weiter genutzt zu werden. Eingespart würde aber vor allem die Sichtbarkeit der Theatergeschichte Düsseldorfs und ihre Relevanz für die Kulturgeschichte der Region. Der Freundeskreis des Theatermuseums Düsseldorf hat eine online-Petition gestartet, die Sie hier unterschreiben können.

Tagung der Universität Daugvapils zu Rudolfs Blaumanis

Am 6. und 7. April findet an der Universität Daugvapils in Lettland eine Tagung zu „Rudolfs Blaumanis und die deutschsprachige Literatur“ statt, die nach den spezifisch modernen lettischen Impulsen der Literatur zu Beginn des 20. Jahrhunderts fragt. Ausgerichtet wird die Tagung u.a. von Frau Dr. Antje  Johanning-Radziene. Die Leiterin des Instituts „Moderne im Rheinland“, Prof. Dr. Gertrude Cepl-Kaufmann“ hält einen Vortrag über die Verortung Rudolfs Blaumanis im transnationalen Epochenfeld. Hier gehts zum Programm.

Ringvorlesung: „Deutsches Kolonialidyll? – 1964 als Wendejahr“ – Prof. Dr. Stefanie Michels

Zum Jahresauftakt freuen wir uns auf den Vortrag von Prof. Dr. Stefanie Michels am kommenden Freitag, den 13.01.2017 um 17.00 Uhr. Dieses Mal dürfen wir die Gastfreundschaft des bezaubernden FFT genießen (Ort: FFT JUTA, Kasernenstraße 6). Der Eintritt ist wie stets frei und alle Interessierten herzlich willkommen.

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Zum Vortrag:

Im Rahmen der Ringvorlesung „Die Bonner Republik. Diskurs – Forschung – Öffentlichkeitsarbeit“ ist Prof. Stefanie Michels, Professorin an der Heinrich-Heine-Universität für Europäische Expansion, mit einem Vortrag über die Schärfe der Debatte um die deutsche Kolonialvergangenheit in den 1960er Jahren in der Bundesrepublik Deutschland zu Gast im FFT. Ausgangspunkt ist dabei der mediale Umgang mit Paul von Lettow-Vorbeck, gestorben 1964, Kommandeur der deutsch-ostafrikanischen Kolonialtruppe im Ersten Weltkrieg. 1918 zog er als „im Felde unbesiegter“ Kriegsheld durch das Brandenburger Tor, in der NS-Zeit nahm er eine zentrale Rolle in der Kriegs- und Kolonialpropaganda ein. An seinem Grab standen zwei seiner ehemaligen afrikanischen Soldaten. Der damalige Verteidigungsminister Kai-Uwe von Hassel, selbst in Deutsch-Ostafrika geboren, bezeichnete ihn als Vorbild für die deutsche Jugend. Ralph Giordano, damals Journalist beim WDR erkannte hierin die „Legende vom deutschen Kolonialidyll“. Mit seinem 1966 erschienenen zweiteiligen Dokumentarfilm setzte er zu einer „Attacke“ dagegen an.

Abschiede. Oder Eine schöne Bescherung

Die Basis unseres Instituts „Moderne im Rheinland“ an der Heinrich-Heine-Universität bildet das Netzwerk an Kulturpartnern, -praktikern, -wissenschaftlern und Mitdenkern. Auch 2016 prägt dieses Kooperationsnetzwerk unsere Arbeit über die „Moderne im Rheinland“. Eine Vielzahl an Projekten wären anders nicht so schön und so durchführbar gewesen. Hierfür möchten wir uns bei allen Beteiligten sehr herzlich bedanken: Es war eine Freude und für 2017 ist es uns Motor für die nächsten Aktivitäten.

Doch natürlich gibt es auch Abschiede in unserem breiten Netzwerk zu verzeichnen, so haben sich die Wege zwischen der „Moderne im Rheinland“ und dem Rheinischen Archiv für Künstlernachlässe im Anschluss an den gemeinsamen Kongress „European Heritage. Künstlernachlässe als Kulturgut“ getrennt. Damit geht eine acht Jahre andauernde, intensive und fruchtbare Kooperation zu Ende. Gern möchten wir mit einer Rückschau an die gemeinsame Zeit erinnern, die gemeinsam erklommenen Berge und Täler Revue passieren lassen und dem RAK für die Zukunft Wünsche mitgeben.

Acht Jahre operativer Partnerschaft – eine lange Kulturzeit!

Basis der fruchtbaren Kooperation: 2009 wurden Zielsetzung und Selbstverständnis vom ersten Kuratorium des RAK festgelegt:

Zielsetzung: Das „Rheinische Archiv für Künstlernachlässe“ hat die Einbindung in den Wissenschaftsdiskurs und die Optimierung der Archiv- und Forschungstätigkeit durch die Kooperation mit weiteren sammelnden und forschenden Institutionen zum Ziel. Die Ergebnisse der Erschließung von Nachlässen werden als Grundlagenmaterial für die Forschung bereitgestellt. Das „Archiv für Künstlernachlässe“ versteht sich als Schnittstelle für die Personenrecherche auf dem Gebiet der Bildenden Kunst. Es vermittelt in Zusammenarbeit mit der Friedrich-Wilhelm-Universität Bonn Magister- und Doktorarbeiten und eröffnet durch Anbindung an den „Arbeitskreis zur Erforschung der Moderne im Rheinland“ an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf interdisziplinäre Forschungsansätze. Entsprechend seiner Zielsetzung erstellt das Archiv ein kulturelles Netzwerk.

 Selbstverständnis: Das „Rheinische Archiv für Künstlernachlässe“ definiert die Begrenzung der Sammlungsprovenienz auf das Rheinland in einer durchaus europäischen Bedeutung. Durch seine Grenzlage zu Frankreich, Belgien, Luxemburg und den Niederlanden fiel dem Rheinland seit je her eine Sonderrolle in der Entwicklung der Künste zu. Mit dem Kontakt zu Künstlern aus den Nachbarländern erhielten alle Seiten wichtige Impulse für die Entwicklung ihres Kunstschaffens jenseits nationaler Strömungen. Die Betreuung von Nachlässen aus diesem Beziehungsumfeld verleiht dem Rheinischen Archiv für Künstlernachlässe eine grenzüberschreitende Ausrichtung.

Kuratorium: Prof. Dr. Gertrude Cepl-Kaufmann, Ulrich Hauschild, Horst Kukwa, Dr. Manfred van Rey, Dr. Hans M. Schmidt

Frei nach dem Motto: „Tue Gutes und rede davon!“ hier eine Bilanz, wo, wie, wann und womit das aus dem o.g. „Arbeitskreis“ erwachsene Institut Moderne im Rheinland an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, insbesondere durch seine Leiterin Prof. Dr. Gertrude Cepl-Kaufmann als Kuratorin, ab 2015 als Vorsitzende des Kuratoriums zu Nutz und Frommen des RAK beigetragen hat:

  • Profilierung:

1989 vom Wissenschaftsministerium des Landes NRW initiiert und 1999, ebenso mit Förderung des WiMi, zunächst als e.V. etabliert, um die Forschungsinitiative 2000 als Institut „Moderne im Rheinland“ an die Heinrich-Heine-Universität zu binden, erhielt das RAK von hier aus mit der Handschrift des „Interdisziplinären“ und dem Angebot, sich mit dem Forschung und Kulturpraxis-Modell des Instituts Moderne im Rheinland zu vernetzen, ein Alleinstellungsmerkmal.

  • Wissenschaftspraxis und Kulturtheorie:

Gerne machte das Institut Moderne im Rheinland als Kooperationspartner dem RAK das Angebot, mit den Forschungen zum Thema „Das Rheinland als europäische Kulturlandschaft“ seine eigenen Sammelaktivitäten zu metabasieren (und damit die Beschränkung auf das Sammeln nur dokumentarischer NL einen höheren Sinn zu geben und auf hohem Niveau zu legitimieren). Konkret hätte das RAK auch vom Angebot der Partizipation an dem in zwanzig Jahren erprobten und publizierten Archivpraxis- und Lehrkonzept „Archiv – Museum – Ausstellung“ Gebrauch machen können

  • Netzwerk:

Das Institut Moderne im Rheinland freut sich, dass es dem RAK über die Institutsebene hinaus die Partizipation an einem dichten, vom Institut geflochtenen Kulturnetzwerk offerieren konnte! So wurde das 10jährige Bestehen des Instituts Moderne im Rheinland mit einem großen Festakt im Düsseldorfer Schauspielhaus, dem Festprogramm Moderne meets Moderne und der Kleinen Messe zur Kultur in der Region würdig gefeiert. Mit dabei: das RAK als eines der über 50 Netzwerkpartner, mit denen Ausstellungen realisiert, Diskurse geführt, gemeinsam geforscht – und die Erfolge gemeinsam gefeiert wurden. Inzwischen sind Kulturmacher und –Institutionen dazugekommen, ist das Netz europäischer geworden, ließ sich die Einbindung in regionale und transnationale Strukturen intensivieren

  • Tagungs- und Konferenzkompetenz:

Solidarität ist eine schöne Tugend! So freut sich das Institut Moderne im Rheinland, dass es sein in 80 Kolloquia und internationalen Konferenzen erarbeitetes know how dem darin noch unerfahrenen Kooperationspartner RAK bereitstellen und, besonders beim Symposion European Heritage in der Bundeskunsthalle, aktiv bei Planungen und Umsetzungen tätig werden konnte

  • Geldsegen:

Mit großer Freude tut das Institut Moderne im Rheinland kund, dass es allein in den Jahren 2015/16 mittelbar bzw. unmittelbar dem RAK das schöne Sümmchen von 93.500 Euro (in Worten: dreiundneunzigtausendfünfhundert Euro) verschafft hat. Daraus kamen 20.000 Euro von einer, dem RAK nicht zugänglichen Wissenschaftsfördereinrichtung, mit der das Institut Moderne im Rheinland als vertraglich einbezogener Kooperationspartner zum Symposion in der Bundeskunsthalle beitrug

  • Öffentlichkeitsarbeit:

Wer kulturtheoretische Grundlagenforschung, wie sie das Institut Moderne im Rheinland seit zig Jahren betreibt, anbieten kann, bestätigt die bekannte wahrnehmungspsychologische Regeln: „Man sieht nur, was man weiß“! Es freut das Institut Moderne im Rheinland deshalb besonders, dass es das RAK, vor allem aktiv in den erdabgewandten Tiefen eines Stadtarchivs, auch übertage sichtbar machen half! Gern spendete es etwas von seinem Reichtum an Erkenntnissen über die internationalen Archivdiskurse bis zur Theorie von Landschaftskonstruktion, vor allem sein Lieblingsthema Das Rheinland in Europa, das seiner Leiterin mit dem Bundesverdienstkreuz höchste bundesrepublikanische Weihen eingebracht hatte, die seit 2013 als Weihrauch auch überm RAK schwebte! Aktivitäten im Doppelpack von RAK und Institut Moderne im Rheinland quer durch die Republik: vom der Frankfurter Stiftermesse, den Stuttgarter Boschstiftungsaktivitäten zum Thema Künstlerarchive, von der Wiener KOOP-LITERA zur Berliner Akademie: das Institut Moderne im Rheinland als Türöffner für das RAK, und zwar dorthin, wo es selbst schon lange war!

  • Vermittlung von Nachlässen:

Als wichtig für die Moderne des frühen zwanzigsten Jahrhunderts kamen immerhin die NL von Gert Wollheim und Angelika Hoerle ins RAK

  • Kultur und Gastlichkeit:

Nichts ohne das Vergnügen einer gesitteten Kultur-Gesellschaft! So erinnert sich die Moderne im Rheinland an die vielen Reden und Vorträge, die es jeweils vor Ort für das RAK an eine interessierte Öffentlichkeit gebracht hat. Auch die Texte und Beiträge, die darauf für den annoRAK folgten, nicht minder die Hundertschaften von Hin- und Her-Mails zur Abklärung von Allem und Jedem, Telefonate, Reisen, wahre Meter von offiziellen und weniger offiziellen Briefen, Lektorierungen und all das, was der gemeine Kulturrezipient nicht so sieht. Über allem aber sind es die zig kuchenträchtigen sommer- wie winters outdoor oder indoor- Treffs im Herzen der „Moderne im Rheinland“ (ohne Herz gesprochen: seiner Geschäftsstelle in Köln, Ober Buschweg 23), die (scheinbar/fast) den wunderbaren abendländischen Idealzustand eines hortus akademicus schnuppern ließen!

 

Reisende soll man nicht aufhalten! Aleida Assmann, mit dem Institut Moderne im Rheinland verbunden und von seiner Leiterin auf einem Meeting im Berlins heiligem Auswärtigen Amt höchstselbst für den Eröffnungsvortrag zum Bonner Symposion gewonnen, hat jüngst ihre erinnerungsorientierten Reflexionen auf die andere Seite des Mondes transferiert und eine „Theorie des Vergessens“ begründet. Für Archiv-Freaks wie das Institut Moderne im Rheinland geradezu eine Bibel für das eigene Wissenschaftsprogramm. Nicht zuletzt verdankt sich diese Auflistung von acht Jahren der Kooperation von RAK und Moderne im Rheinland Aleida Assmanns wissenschaftlicher Erkenntnis!

Am Ende bleibt nur die schöne Aufgabe, dem RAK Wünsche für die Zukunft zu vermitteln:

  • Das Institut „Moderne im Rheinland“ wünscht dem RAK eine erfolgreiche Arbeit unter einer nun neu zu entwickelnden Zielsetzung (s.o.). Es ist gespannt auf das, was anstelle der Interdisziplinarität stehen wird, auch einer Wissenschaftskooperative, die die Qualität eines Lippenbekenntnisses übersteigt. Vor allem aber interessiert brennend, was in Zukunft die kulturwissenschaftliche Konnotierung durch die vom Institut und damit der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf vertretene Dachmarke Das Rheinland in Europa mit all ihren Einzelforschungen und -projekten, die nun fern vom RAK weitergehen, ersetzten und was das Zukunftsprofil des RAK ausmachen wird!
  • Das Institut Moderne im Rheinland wünscht dem RAK, dass es sich trotz der seit einigen Jahren erkennbaren Fokussierung auf einen Boom von Künstlerarchivinitiativen, die natürlich Werke und Dokumente sammeln, ohne höheren Sinn (s.o.) behaupten kann! Ein so sperriges und graumausiges Thema wie ein Archiv, auch noch eins, das tatsächlich bewusst auf Werke verzichtet! – das wird es schwer haben und sich nach dem cui bono fragen lassen müssen, auch danach, was denn mit all den Werken passiert ist oder passiert, die ihm– wohl oder übel – bei NL-Haltern begegnen und begegnet sind und nutzbringend untergebracht sein will ! Diese Versorgung ist, wie wir wissen, das eigentliche Problem! Das dürfte so viele Anfragen sein, dass man ganze Kunstsammlungen füllen können müsste! Aber wem sollen sie gehören?
  • Das Institut Moderne im Rheinland wünscht dem RAK, dass es nun bald mit seinem fünften Anlauf, eine Villa als angemessenen Sitz des Archivs als Geschenk oder für low budget zu erhalten, Erfolg hat. Eine schöne Aussicht, denn damit wäre Platz gewonnen, nicht nur für die NL, sondern auch den „Beifang“, der dem RAK eine rosige Zukunft sichern könnte. So schön untergebracht, könnte das RAK auch den bisher vernachlässigten Verkauf der mit den NL ins Haus trudelnden Kunstwerke als aktives Moment der Umsetzung seiner Statuten sicherstellen – denn wie heißt es dort: „Werknachlässe sollen nur bei unmittelbarer Bedrohung durch Verlust oder Vernichtung mit dem Ziel der Weitervermittlung angenommen werden. Erklärt sich keine Institution zur Übernahme und Pflege der Werke bereit, sollen sie nach fotografischer Dokumentation dem Handel zugeführt werden. Der Erlös fließt der Stiftung zu.“

Und weil nun bald Weihnachten ist: Schöne Bescherung!

Köln/Düsseldorf im Dezember 2016

Für das Institut „Moderne im Rheinland“: Prof. Dr. Gertrude Cepl-Kaufmann

 

 

Ringvorlesung: „Wie allgemein kann man trauern?“ Prof. Dr. Hans Körner

Im Auditorium des K20, Kunstsammlung NRW spricht Prof. Dr. Hans Körner am 15.12.2016 , wiederum bereits um 16.00 Uhr über das Thema „Wie allgemein kann man trauern? Plastische Bilder der Erinnerung in der frühen Nachkriegszeit und ihre Voraussetzungen“

Zum Vortrag 

Die Opfer der Verbrechen des Nationalsozialismus, der verlorene Krieg, die im Weltkrieg gefallenen Soldaten, die zivilen Opfer des Bombenkrieges – wie wurde Ihnen in den ersten Jahren nach Kriegsende und in der jungen Bonner Republik gedacht? Der Vortrag stellt Denkmäler, Mahnmale und autonome Plastiken vor, die sich dem (letztlich nicht einlösbaren) Anspruch stellten, angemessen das zwischen 1933 und 1945 verschuldete / erlittene Leid im Kunstwerk zu erinnern. Welcher Opfergruppen wurde gedacht, was waren die künstlerischen Strategien und welche Traditionslinien der Erinnerungskultur der Weimarer Republik wurden aufgegriffen und weitergeführt?

Termin: 15.12.2016, 16.00 Uhr
Ort: Auditorium des K20, Kunstsammlung NRW, Grabbeplatz 5, 40213 Düsseldorf

Ringvorlesung: „Neue Gärten braucht das Land“ Juniorprof. Dr. Christof Baier

„Neue Gärten braucht das Land. Entnazifizierung und Amerikanisierung der Gartenkunst im Rheinland nach 1945“ – Christof Baier widmet sich in seinem Vortrag als viertem Teil unserer Ringvorlesung der Gartenkunst nach 1945. Interessierte sind wie stets herzlich willkommen, dieses Mal im Schloss Benrath am 8.12.2016, 17.00 Uhr.

Zum Vortrag:

Anhand der zweifellos kontrovers zu diskutierenden Begriffe Entnazifizierung und Amerikanisierung werden Aspekte der Grünraumplanung im urbanen Kontext thesenartig thematisiert. Dabei wird das Jahrzehnt von 1945 bis 1955 im Fokus stehen.

Nach dem Ende des 2. Weltkriegs und des NS-Regimes lagen auch die Städte am Rhein in Trümmern. In den ersten Nachkriegsjahren mussten nicht nur die Trümmermassen sondern auch die sichtbaren architektonischen, städtebaulichen und gartenkünstlerischen Überreste der nationalsozialistischen Herrschaft entsorgt werden. So ist der Umstand, dass im Kölner Grüngürtel der 1938 eingeweihte Fest- und Aufmarsch (Maifeld) unter einem riesigen, asymmetrisch-landschaftlichen Trümmerberg beerdigt wurde, zweifellos als Entnazifizierung zu verstehen. In Düsseldorf betrieben der Gartendirektor Ulrich Wolf und Georg Penker gut 10 Jahre später eine solche ‚Entnazifizierung‘ der Grünanlagen der  Reichsausstellung Schaffendes Volk von 1936 sehr viel differenzierter. Die sich mit diesen Beispielen andeutende Gleichsetzung und damit Ablehnung des ‚architektonischen Gartenstils‘ mit monumentaler Raumkunst des Nationalsozialismus ist noch immer ein zu wenig bearbeitetes Forschungsfeld.

Die amerikanische Militärregierung versuchte, auch auf dem Gebiet der Architektur eine entnazifizierende Neuorientierung zu bewirken. Dazu ließ sie ab 1948 eine Wanderausstellung mit vorbildlicher amerikanischer Architektur durch die Amerikahäuser ziehen. Zu den ersten größeren und städtebaulich bemerkenswerten Bauvorhaben der Nachkriegsjahre gehören die für die deutschen und amerikanischen Angehörigen und Angestellten der HICOG („High Commissioner of Germany“) in Bonn um 1951 in Bonn realisierten Siedlungen. Entworfen unter der Oberleitung von Sep Ruf, waren für deren Grünraumplanung die Gartenarchitekten Hermann Mattern und Heinrich Raderschall zuständig. In Verbindung mit der Wanderausstellung ist hier zu klären, in wie fern sich hier von einer  „Amerikanisierung“ der städtebaulichen und architektonischen Gestaltungsprämissen, vor allem aber der Freiraum- und Grünplanung sprechen lässt.

Insgesamt muss konstatiert werden, dass bisher, von Einzeluntersuchungen abgesehen, auch zum Rheinland übergreifend-vergleichende Untersuchungen zu den genannten Themenfelder fehlen. Mit der 2015 u.a. von der Deutschen Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur mit initiierten „Wiener Erklärung zur Nachkriegsmoderne“ wurde endlich auch für die Erforschung und Bewahrung der Grünräume der 1950er und 1960er Jahre ein Startzeichen gegeben.

Ringvorlesung: „Nachkriegsbilder“ Prof. Dr. Jürgen Wiener

Den dritten Teil unserer Ringvorlesung bestreitet Prof. Dr. Jürgen Wiener mit einem Vortrag über „Nachkriegsbilder. Die Einsamkeit des Rudolf Schwarz“ am 1.12.2016 im Haus der Universität. Achtung! Dieses Mal beginnt der Vortrag bereits um 16.00 Uhr. Anschließend gibt es wie gehabt Gebäck und Getränke.

Zum Vortrag:

Rudolf Schwarz (1897–1961) war einer der bedeutendsten und streitbarsten (Kirchen-)Architekten des 20. Jahrhundert, der wie kein zweiter die Bauaufgabe Kirche reflektiert hat. Auch darüber wurde er zum eigenständigsten und tiefgründigsten Architekturtheoretiker seiner Zeit.
Schwarz‘ Architekturtheorie zielte immer auf das Ganze und Grundsätzliche in der Annahme, dass Architektur eines der prägendsten Medien ist, über das sich Mensch und Welt begegnen.
Daher ist sein denkendes Bauen und bauendes Denken in Form von abstrakten Welt-Bildern sowohl anthropologisch und existentiell als auch erdgeschichtlich und schöpfungstheologisch perspektiviert. Die Einsamkeit ist für diesen Begründungszusammenhang zentral. Sie wird aber nach dem Zweiten Weltkrieg stärker geerdet.