Einladung zur Ringvorlesung „Die Bonner Republik“: Prof. Dr. Winfrid Halder über Alfred Döblin

Am Donnerstag, den 18.01.2018, 17.00 Uhr setzen wir unsere Ringvorlesung „Die Bonner Republik. Forschung – Diskurs – Öffentlichkeit“ mit einem Vortrag von Prof. Dr. Winfrid Halder über „In Deutschland überflüssig? Alfred Döblin und die Bonner Republik“ fort.

Alle Interessierten sind herzlich eingeladen!

Prof. Dr. Winfrid Halder: „In Deutschland überflüssig? Alfred Döblin und die Bonner Republik“

Ort: Haus der Universität Düsseldorf

Alfred Döblin (1878-1957) war bereits im November 1945 wieder in Deutschland. Damit war er der erste deutsche Schriftsteller von Weltrang, der aus dem Exil zurückkehrte, um beim kulturellen Wiederaufbau des nach 12 Jahren NS-Diktatur in jeder Beziehung verheerten Landes mitzuhelfen. Döblin, der insbesondere nach dem Erscheinen seines erfolgreichsten Romans „Berlin Alexanderplatz“ (1929) als aussichtsreicher Kandidat für den Literaturnobelpreis galt, war im Februar 1933 zunächst in die Schweiz, später weiter nach Frankreich und in die USA emigriert.

Eigentlich hätte man sich in Westdeutschland glücklich preisen müssen, dass ein so prominenter Autor wie Döblin nicht nur wieder da, sondern auch nach Kräften bemüht war, sich in den Dienst eines Neubeginns zu stellen. Gleichwohl wurden die folgenden Jahre für Döblin zu einer bitteren Enttäuschung, und zwar sowohl was seine politischen Hoffnungen wie auch was seine Wahrnehmung als immer noch höchst produktiver Autor anging. Vollständig desillusioniert verließ er die junge Bundesrepublik 1953 und ging wieder nach Paris. An den mit ihm persönlich gut bekannten ersten Bundespräsidenten Theodor Heuss schrieb er zum Abschied, er sei „in Deutschland überflüssig“.

Warum stieß Döblin auf so viel Unverständnis und Ablehnung? Weil er jüdischer Herkunft und der Antisemitismus untergründig noch immer virulent war? Weil man dem in der Weimarer Republik als bekennender „Linker“ bekannten Autor mißtraute, wenngleich sich Döblin von früheren politischen Positionen distanzierte und inzwischen bekennender Katholik war? Weil man ihn als „Besatzer“ wahrnahm, da Döblin seit 1936 französischer Staatsbürger und seit 1945 zunächst Mitarbeiter der Militärregierung in der französischen Besatzungszone war? Weil er, politischen Differenzen zum Trotz, Kontakt hielt zu alten Freunden, die jetzt in der DDR prominente Rollen spielten, nämlich zu Bert Brecht und Johannes R. Becher?

Der Vortrag geht folglich der Grundfrage nach, warum sich Alfred Döblin in der jungen „Bonner Republik“ fehl am Platze fühlen mußte.

Weihnachtszeit, Jahreswechsel und: Ringvorlesung am 11.1.2018

Kaum steht Weihnachten an, schon geht der Blick ins neue Jahr! Schon am 11.1.2018 setzen wir unsere Ringvorlesung fort: In der Zentralbibliothek der Stadtbücherein Düsseldorf um 17.00 Uhr. Prof. Dr. Ulli Seegers trägt zum „Kunstmarkt in der Bonner Republik“ vor! Herzliche Einladung!
„Während die Kasseler Documenta in den 1950er Jahren den Anschluss an die zur NS-Zeit verfemte moderne Kunst suchte, bildete sich im Rheinland rund um die Düsseldorfer Kunstakademie und den ersten Kölner Kunstmarkt (1967) eine lebendige Kunstszene mit großer internationaler Strahlkraft. Ein Netzwerk von Künstlern, Galeristen und Sammlern legte im Westen der jungen Republik das Fundament für einen florierenden Kunstmarkt, der nicht nur längst Kunstgeschichte geschrieben, sondern auch die Strukturen für einen global umspannenden Handel mit Kunst vorgeprägt hat. Der Vortrag stellt zentrale Akteure und Entwicklungslinien des rheinischen Kunstmarktes in den 1960er und 1970er Jahren vor.
Ulli Seegers ist Juniorprofessorin für Kunstgeschichte mit dem Schwerpunkt Kunstvermittlung im Museum und Kunsthandel an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, sie ist Mitglied des hiesigen Forscherteams zur Bonner Republik, das im Wintersemester 2017/2018 seine Forschungen im zweiten Teil der Ringvorlesung „Die Bonner Republik: Forschung – Diskurs – Öffentlichkeit“ präsentiert. Einer Kooperation zwischen Stadt Düsseldorf, Heinrich-Heine-Universität und Institut „Moderne im Rheinland“.“