Tagung: Die Entstehung einer Hauptstadtregion zwischen Köln, Düsseldorf und Brüssel: Die Bonner Republik

Herzliche Einladung zur Tagung! Jeweils zwei Tage an zwei Orten, jeweils Freitag bis Samstag:

18.-19.10.2019 Teil 1 im LVR-Landesmuseum in Bonn, Colmantstr. 14-16, 22.-23.11.2019 Teil 2: Haus der Universität in Düsseldorf, Schadowstr. 14

zum Programm:

Anmeldung unter grande@phil.hhu.de (Achtung: die Plätze sind begrenzt).

CFP: Carl Einstein im Kontext neuer Avantgardetheorien, Düsseldorf (25.10.2019)

Tagungskooperation des Instituts „Moderne im Rheinland“ an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf mit der Carl-Einstein Gesellschaft/Societé Carl Einstein, 12.03.-13.03.2020 in Düsseldorf

Carl Einstein war Teil und Motor der europäischen Avantgarde. Mit Werken wie z.B. Negerplastik und Bebuquin oder die Dilettanten des Wunders sowie mit seiner inter- bzw. transdisziplinären Positionierung zwischen Literatur, Kunst, Kritik, Aktivismus, mit der Vielzahl seiner Wirkungsräume, seinem weitläufigen Netzwerk und in der Rezeptionsgeschichte seines Werkes, ist Einstein fester Bestandteil der Avantgardeforschung. Darüber hinaus ist die Beschäftigung mit seinem Leben und Werk Teil der Arbeit an der Definition von Avantgarde.
Umfassende kultursoziologische Theoriebildung zur Avantgarde wie die von Gehlen, Bürger, Bourdieu und Luhmann, scheinen „heutzutage unmöglich geworden“ (van den Bergh/Fähnders) zu sein. Das Phänomen der Avantgade(n) hat sich als derart facettenreich erwiesen, dass statt einer „Gesamttheorie“ eine theoretische Ausdifferenzierung nach relationalen, zeitlichen und räumlichen Kriterien nötig geworden ist (vgl. Asholt), wobei auch die in den soziologischen Ansätzen vernachlässigten ästhetischen Fragestellungen stärker in den Vordergrund rücken.

In der Avantgardeforschung des 20. Jahrhunderts ist der Begriff der Avantgarde immer wieder aus der Militärsprache hergeleitet worden „Die Avantgarde, die Vorhut, war eine militärische Vorsichtsmaßnahme.“ (Böhringer) Bei aller Differenziertheit der Auseinandersetzung des Avantgardebegriffs zwischen Militär und Künsten diente der aggressive Anteil der Lesart immer auch als Erklärung für avantgardespezifische Irritationen wie die Kriegsbegeisterung der Futuristen. Denn in den rezeptionsgeschichtlichen Narrativen von Moderne und Avantgarde, in denen nur über die Künste der Impuls zu einer zukunftsfähigen Gegenwart und Zukunft in der Moderne erfolgt, wenngleich diese fortwährend an der gläsernen Decke zu Gesellschaft und Politik scheitern, bedurfte es einer Legitimation für die antiemanzipatorischen Anteile in den gleichwohl formalästhetisch modernen oder avantgardistischen Werken und/oder Akteur*innen. Über den Begriff der Avantgarde gelang es, eine semantische Ebene zwischen künstlerischer Innovation und begriffsimmanenter Assoziation einzuziehen, die zugleich eine ästhetizistische Legitimation transportierte: Als künstlerische Innovation unterliegt das als Avantgarde betitelte Werk per se einer moralischen Aufwertung. Die Gründe für die assoziative Aufwertung gemeinsam mit dem Begriff der „Moderne“ sind dabei auch in der direkten Nachkriegszeit und den amerikanischen Bildungsprogrammen zu suchen. Nicht zuletzt ist Avantgarde zu einem Modewort geworden, vergleichbar mit „Moderne“, dessen inhärente Gegenposition zum System durch die Integration in den Ausstellungs- und Forschungsbetrieb systemstabilisierend eingemeindet wurde. „Avantgarde ist heute überall“, konstatiert Wolfgang Asholt. Angesichts des inflationären Gebrauchs in der Gegenwart bedarf es insofern nicht nur einer Ausdifferenzierung im theoretischen Feld, sondern auch einer kritischen Reflexion des Begriffs.

Neue Perspektiven für die Avantgardeforschung ergeben sich auch durch die Vernetzung mit Forschungsansätzen zur Inter- bzw. Transkulturalität. Indem bisher nur unzulänglich berücksichtigte Aspekte der Forschung und Kulturgeschichtsschreibung fokussiert werden, kommt es zu einer Verschiebung der bisherigen Dimensionen des Begriffs der Avantgarde. Als Teil dieser Bewegung lässt sich die Forschung zu den vergessenen oder unberücksichtigten Ideen von Avantgarde und Moderne zählen, z.B. in der Tradition Peter Bürgers, im Sinne der Hauntologie (Derrida) oder auch der Arbeit Jacques Rancières, wie sie aktuell an verschiedenen Orten im Kontext von „Avantgarde“ thematisiert werden. Parallel dazu erfährt der Begriff Avantgarde in den letzten Jahren eine ausweitende Lesart in andere historische Kontexte: Sowohl im Bereich des Barocks als auch der Nazarener Stilrichtung findet er z.B. Anwendung und wird auch in Bezug auf die Frühromantik diskutiert. Insofern scheint Avantgarde nicht mehr ein singuläres Phänomen der Moderne zu sein, sondern eines, das in einem „mehrere literarische Epochen involvierenden Rahmen zu untersuchen“ (Sabaté Planes/Feijóo) ist.

Tagungsausrichtung und -ziel

Mit Blick auf diese Verschiebungen in Gebrauch, Verständnis und Theorie der Avantgarde, möchten wir uns im Rahmen einer Tagung erneut mit dem Werk Carl Einsteins beschäftigen. Ganz im Sinne der transgressiven Stoßrichtung der Avantgarde soll die Ausrichtung disziplinübergreifend sein und auch die Grenzen des Wissenschaftsbegriffs ausloten. Dementsprechend wird die Veranstaltung an einem Ort der freien Kunstszene mit historischem Bezug zur Avantgarde stattfinden, in dem Künstler*innen, Schriftsteller*innen gemeinsam mit den Vertreter*innen des Wissenschaftssystems über die Relevanz Carl Einsteins im Kontext unserer gegenwärtigen Avantgardebegriffe nachdenken.

Erwünscht sind Beiträge in deutscher, englischer oder französischer Sprache zu folgenden Themen und Kontexten:

  • Zur Rezeptionsgeschichte Einsteins im Kontext von Avantgarde und historischer Avantgardetheorie
  • Kritische Reflexionen des Avantgardebegriffs ausgehend von Carl Einsteins Leben und Werk
  • Carl Einstein als disziplinäre Herausforderung
  • Interdisziplinäre und transdisziplinäre Interferenzen: Carl Einstein zwischen Wissenschaft und künstlerischer Praxis
  • Carl Einstein und die Kunst nach 1945. Z.B. zu Einstein und Happenings
  • Befreiungsphänomene und kulturelle Praxis
  • Sprachspiel, Bildspiel – Transfer von Deutungselementen
  • Entmaterialisierungen, die Avantgarde als Entmaterialisierungsereignis
  • Topographische Forschungen zu Carl Einstein
  • Künstler*innen und Gesellschaft: Poeta doctus, poeta laureatus, poeta vatus, schöpferische Indifferenz, etc.
  • Ästhetische Heteronomie
  • Netzwerkforschung: die Avantgarde im Kontext ihrer Netzwerke

Organisatorisches


Wir bitten um Themenvorschläge und Zusendung eines Abstracts (ca. 800 Zeichen) bis zum 25.10.2019 an Dr. Jasmin Grande (Institut „Modernde im Rheinland“ an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf), grande@phil.hhu.de, und Dr. Eva Wiegmann (Carl-Einstein Gesellschaft/ Societé Carl Einstein), e.c.wiegmann@gmx.de.

Literatur

  • Asholt, Wolfang (Hrsg.): Avantgarde und Modernismus. Dezentrierung, Subversion und Transformation im literarisch-künstlerischen Feld, Berlin/Boston 2014.
  • Bergh, Hubert van den/Fähnders, Walter: Die künstlerische Avantgarde im 20. Jahrhundert – Einleitung, in: Dies. (Hrsg.): Metzler Lexikon Avantgarde, Stuttgart/Weimar 2009, S. 1-19.
  • Böhringer, Hannes: Avantgarde. Geschichten einer Metapher, in: Archiv für Begriffsgeschichte 22.1 (1978), S. 90-114.
  • Creighton Nicola / Kramer, Andreas (Hrsg.): Carl Einstein und die europäische Avantgarde/Carl Einstein and the European Avant-Garde, Berlin/Bosten 2012.
  • Magerski, Christine: Theorien der Avantgarde: Gehlen – Bürger – Bourdieu – Luhmann, Wiesbaden 2011.
  • Mauz, Andreas/Weber, Ulrich/Wieland, Magnus (Hrsg.): Avantgarden und Avantgardismus. Programme und Praktiken emphatischer kultureller Innovation, Göttingen 2018.
  • Sabaté Planes, Dolors /Feijóo, Jaime (Hrsg.): Apropos Avantgarde. Neue Einblicke nach einhundert Jahren, Berlin 2012.

Ein kleiner Teil einer großen Bewegung, FAZ über die „Moderne im Rheinland“ am 02.09.2019

„War das Bauhaus in Weimar wirklich so einzigartig? Im Westen Deutschlands gab es Reformschulen, die den Vergleich nicht zu scheuen brauchen. Es lohnt sich, sie wiederzuentdecken.“, mit diesem Satz leitet Gertrude Cepl-Kaufmann ihren Artikel über das Bauhaus aus der Perspektive des Rheinlands ein. Der Artikel erschien am 02.09.2019 in der FAZ.

Bauhütten 2019 in Simonskall am 3.9.2019

Am Mittwochnachmittag lädt die „Moderne im Rheinland“ ab 14.00 Uhr zum Austausch über das Denkbild Bauhütte ein!

Vorgestellt werden drei Beispiele aktueller Bauhütten:

  • Die Bauhütte des Hohen Doms zu Köln: vorgestellt von Dombaumeister Peter Füssenich
  • Das Projekt BAUHUETTE – Campusdach 100 Jahre Bauhaus, Dessau
  • Die Künstlerin Ute Reeh stellt das Projekt Bauhütte Wiesencafé in Düsseldorf Garath vor.

Statement von Dombaumeister Peter Füssenich zur Simonskaller „Bauhütte für Kathedralen des 21. Jahrhunderts“:

„So wie sich abzeichnet, dass das Bauhaus nicht nur eine Erfolgsgeschichte des 20. Jahrhunderts ist, sondern dass seine Strahl- und Wirkkraft über die Jahrtausendwende und in die Zukunft reicht, so gilt dies auch für das viel ältere Prinzip der Bauhütte, dessen Anfänge wir in der Werkstattgemeinschaft großer mittelalterlicher Kirchenbauten suchen müssen. Liest man das Vorwort des Bauhaus-Manifestes, in dem Walter Gropius zur Rückkehr zum Handwerk aufruft, zum „bewussten Mit- und Ineinanderwirken aller Werkleute untereinander“, zur Bildung einer „neuen Zunft der Handwerker ohne die klassentrennende Anmaßung […] zwischen Handwerkern und Künstlern“, liegen die Parallelen zwischen den Bauhaus-Idealen und dem Bauhüttenwesen auf der Hand. Bis heute hält sich in den Bauhütten der großen und kleinen europäischen Kirchen das stolze Selbstverständnis einer Kreativgemeinschaft, die Tradition und Innovation im eng verzahnten Zusammenwirken der einzelnen Gewerke als generationenübergreifendes Kontinuum verbindet. Im März 2018 gab die Deutsche UNESCO-Kommission bekannt, dass das Bauhüttenwesen in das Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes Deutschlands aufgenommen wurde, die Anerkennung der europäischen Dom- und Münsterbauhütten als immaterielles Kulturerbe der Menschheit ist beantragt und wird bis Ende 2020 bei der UNESCO beraten und entschieden. So wären nach dem Bauhaus nun auch die Bauhütten in der kulturellen Identität des 21. Jahrhunderts verankert.“

Weitere Infos und Anmeldung unter http://www.bauhütte-simonskall.de

Tagung „Die Neue Akademie: die Kunstakademie Düsseldorf 1919-1933“

Am 24. und 25. Mai 2019 findet in der Kunstakademie in Düsseldorf die Tagung „Die Neue Akademie: die Kunstakademie Düsseldorf 1919-1933“ statt. Die Tagung ist eine Kooperation zwischen dem Institut für Kunstgeschichte der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, dem dortigen An-Institut „Moderne im Rheinland“ und der Kunstakademie Düsseldorf.

Informationen zum Programm und zur Tagung hier.