Ringvorlesung: Prof. Dr. Guido Thiemeyer über die Bonner Republik in der Europäischen Integration

Sehr herzliche Einladung zu unserer Ringvorlesung ins Stadtarchiv Düsseldorf am 07.12.2017, 17.00 Uhr.

Prof. Dr. Guido Thiemeyer: Die „Bonner Republik“ in der Europäischen Integration. Die ‚Europäisierung‘ von Verfassung und Gesellschaft

Die Bundesregierung war zwischen 1949 und 1990 ein wesentlicher Akteur in der Europäischen Integration. Allerdings wirkte die Integration auch auf die Bundesrepublik zurück. Der Vortrag untersucht, wie das politische System der „Bonner Republik“ und die westdeutsche Gesellschaft durch die europäische Integration verändert wurden.

Ringvorlesung: Dr. Jasmin Grande über die Postmoderne an Rhein und Ruhr

Das Institut „Moderne im Rheinland“, die Heinrich-Heine-Universität, die Stadt Düsseldorf und das Forum Freies Theater (Juta) laden herzlich zur Ringvorlesung „Bonner Republik“ zum WS17/18 ein.

Dr. Jasmin Grande: „“Fuck-You (!)“. Zur „“Super-Garde“ der „Postmoderne“ an Rhein und Ruhr. Verhandlungen des Literaturbegriffs in den 1960er Jahren

„Fuck-You (!)“, die „Super-Garde. Prosa der Beat- und Pop-Generation“ betitelten die Akteure der Kölner Szene von Ralf-Rainer Rygalla bis Vagedis Tsakiridis ihre Anthologien, in denen sie die Kölner Szene mit der amerikanischen Gegenwartsliteratur bekannt machten. Die Titel provozieren und stehen für den Perspektivwechsel in der Literatur der späten 1960er Jahre.
Doch tritt man einen Schritt zurück, so stellt sich das Ganze zunächst ganz moderat dar: Anfang der 1960er Jahre brach in Dortmund eine Schriftstellergruppe zur Revolution der Literatur auf. Die Dortmunder Gruppe 61 wollte der Arbeitswelt literarischen Ausdruck verleihen. Die frühen Fotografien zeigen eine bürgerliche Kaffeerunde, Männer in Anzügen, Frauen mit Hochsteckfrisuren. Beschaulich!
Ende der 1960er Jahre erfolgte der Riss, er machte sich auch in der Dortmunder Gruppe 61 bemerkbar, wurde als „“Tod der Literatur“ (Kursbuch 15) debattiert, von Hans Magnus Enzensberger in „“Gemeinplätzen, die neueste Literatur betreffend“ umrundet und mit der Einführung der Vokabel „Postmoderne“ auf eine epochale Herausforderung gebracht.
Der Vortrag stellt exemplarische Positionen zur Frage nach dem Potential der Literatur Ende der 1960er Jahre vor und nimmt dabei insbesondere die Aktivitäten an Rhein und Ruhr in den Blick. Am Beispiel von Rolf Dieter Brinkmann, Wolfgang Körner und Günter Wallraff wird nach der Postmoderne in Köln und Dortmund gefragt, nach poetologischen Strategien, Netzwerken und internationalen Austauschprozessen.

Beginn: 17 Uhr
Ort: FFT Juta
Die Teilnahme ist kostenfrei. Interessierte sind herzlich willkommen.

Ringvorlesung: Prof. Dr. Guido Thiemeyer – „Der Rhein als Bühne und Kulisse für Staatsbesuche in der Bonner Republik“

Zum Ende der Ringvorlesung trägt Prof. Dr. Guido Thiemeyer, Inhaber des Lehrstuhls für Neuere Geschichte der Heinrich-Heine-Universität vor. Wir treffen uns hierzu am 09.02.2017 in der Zentralbibliothek in Düsseldorf. Alle sind herzlich eingeladen.

Termin: Donnerstag, den 09.02.2017

Ort: Zentralbibliothek, Bertha-von-Suttner-Platz 1, 40200 Düsseldorf

Zum Vortrag:

Die junge Bonner Republik war ein Staat auf der Suche nach Identität. Staatsbesuche waren in diesem Zusammenhang immer ein Instrument, um dem In- und Ausland ein über die Medien vermitteltes Bild von der Bundesrepublik Deutschland zu geben. Welche Bilder entwarf die „Bonner Republik“ in diesem Kontext von sich selbst? Dieser Frage soll im Vortrag nachgegangen werden.

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Ringvorlesung: „Wie allgemein kann man trauern?“ Prof. Dr. Hans Körner

Im Auditorium des K20, Kunstsammlung NRW spricht Prof. Dr. Hans Körner am 15.12.2016 , wiederum bereits um 16.00 Uhr über das Thema „Wie allgemein kann man trauern? Plastische Bilder der Erinnerung in der frühen Nachkriegszeit und ihre Voraussetzungen“

Zum Vortrag 

Die Opfer der Verbrechen des Nationalsozialismus, der verlorene Krieg, die im Weltkrieg gefallenen Soldaten, die zivilen Opfer des Bombenkrieges – wie wurde Ihnen in den ersten Jahren nach Kriegsende und in der jungen Bonner Republik gedacht? Der Vortrag stellt Denkmäler, Mahnmale und autonome Plastiken vor, die sich dem (letztlich nicht einlösbaren) Anspruch stellten, angemessen das zwischen 1933 und 1945 verschuldete / erlittene Leid im Kunstwerk zu erinnern. Welcher Opfergruppen wurde gedacht, was waren die künstlerischen Strategien und welche Traditionslinien der Erinnerungskultur der Weimarer Republik wurden aufgegriffen und weitergeführt?

Termin: 15.12.2016, 16.00 Uhr
Ort: Auditorium des K20, Kunstsammlung NRW, Grabbeplatz 5, 40213 Düsseldorf

Ringvorlesung: „Neue Gärten braucht das Land“ Juniorprof. Dr. Christof Baier

„Neue Gärten braucht das Land. Entnazifizierung und Amerikanisierung der Gartenkunst im Rheinland nach 1945“ – Christof Baier widmet sich in seinem Vortrag als viertem Teil unserer Ringvorlesung der Gartenkunst nach 1945. Interessierte sind wie stets herzlich willkommen, dieses Mal im Schloss Benrath am 8.12.2016, 17.00 Uhr.

Zum Vortrag:

Anhand der zweifellos kontrovers zu diskutierenden Begriffe Entnazifizierung und Amerikanisierung werden Aspekte der Grünraumplanung im urbanen Kontext thesenartig thematisiert. Dabei wird das Jahrzehnt von 1945 bis 1955 im Fokus stehen.

Nach dem Ende des 2. Weltkriegs und des NS-Regimes lagen auch die Städte am Rhein in Trümmern. In den ersten Nachkriegsjahren mussten nicht nur die Trümmermassen sondern auch die sichtbaren architektonischen, städtebaulichen und gartenkünstlerischen Überreste der nationalsozialistischen Herrschaft entsorgt werden. So ist der Umstand, dass im Kölner Grüngürtel der 1938 eingeweihte Fest- und Aufmarsch (Maifeld) unter einem riesigen, asymmetrisch-landschaftlichen Trümmerberg beerdigt wurde, zweifellos als Entnazifizierung zu verstehen. In Düsseldorf betrieben der Gartendirektor Ulrich Wolf und Georg Penker gut 10 Jahre später eine solche ‚Entnazifizierung‘ der Grünanlagen der  Reichsausstellung Schaffendes Volk von 1936 sehr viel differenzierter. Die sich mit diesen Beispielen andeutende Gleichsetzung und damit Ablehnung des ‚architektonischen Gartenstils‘ mit monumentaler Raumkunst des Nationalsozialismus ist noch immer ein zu wenig bearbeitetes Forschungsfeld.

Die amerikanische Militärregierung versuchte, auch auf dem Gebiet der Architektur eine entnazifizierende Neuorientierung zu bewirken. Dazu ließ sie ab 1948 eine Wanderausstellung mit vorbildlicher amerikanischer Architektur durch die Amerikahäuser ziehen. Zu den ersten größeren und städtebaulich bemerkenswerten Bauvorhaben der Nachkriegsjahre gehören die für die deutschen und amerikanischen Angehörigen und Angestellten der HICOG („High Commissioner of Germany“) in Bonn um 1951 in Bonn realisierten Siedlungen. Entworfen unter der Oberleitung von Sep Ruf, waren für deren Grünraumplanung die Gartenarchitekten Hermann Mattern und Heinrich Raderschall zuständig. In Verbindung mit der Wanderausstellung ist hier zu klären, in wie fern sich hier von einer  „Amerikanisierung“ der städtebaulichen und architektonischen Gestaltungsprämissen, vor allem aber der Freiraum- und Grünplanung sprechen lässt.

Insgesamt muss konstatiert werden, dass bisher, von Einzeluntersuchungen abgesehen, auch zum Rheinland übergreifend-vergleichende Untersuchungen zu den genannten Themenfelder fehlen. Mit der 2015 u.a. von der Deutschen Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur mit initiierten „Wiener Erklärung zur Nachkriegsmoderne“ wurde endlich auch für die Erforschung und Bewahrung der Grünräume der 1950er und 1960er Jahre ein Startzeichen gegeben.

Ringvorlesung: „Nachkriegsbilder“ Prof. Dr. Jürgen Wiener

Den dritten Teil unserer Ringvorlesung bestreitet Prof. Dr. Jürgen Wiener mit einem Vortrag über „Nachkriegsbilder. Die Einsamkeit des Rudolf Schwarz“ am 1.12.2016 im Haus der Universität. Achtung! Dieses Mal beginnt der Vortrag bereits um 16.00 Uhr. Anschließend gibt es wie gehabt Gebäck und Getränke.

Zum Vortrag:

Rudolf Schwarz (1897–1961) war einer der bedeutendsten und streitbarsten (Kirchen-)Architekten des 20. Jahrhundert, der wie kein zweiter die Bauaufgabe Kirche reflektiert hat. Auch darüber wurde er zum eigenständigsten und tiefgründigsten Architekturtheoretiker seiner Zeit.
Schwarz‘ Architekturtheorie zielte immer auf das Ganze und Grundsätzliche in der Annahme, dass Architektur eines der prägendsten Medien ist, über das sich Mensch und Welt begegnen.
Daher ist sein denkendes Bauen und bauendes Denken in Form von abstrakten Welt-Bildern sowohl anthropologisch und existentiell als auch erdgeschichtlich und schöpfungstheologisch perspektiviert. Die Einsamkeit ist für diesen Begründungszusammenhang zentral. Sie wird aber nach dem Zweiten Weltkrieg stärker geerdet.

Vortrag Prof. Dr. Gertrude Cepl-Kaufmann: Neue, alte Frömmigkeit. Literatur nach 1945

Teil II der Ringvorlesung „Die Bonner Republik. Diskurs – Forschung – Öffentlichkeit“

  1. Mai 1945… absolute Stille nach dem letzten Volkssturm… Eine Stunde Null“?

Antworten gab es viele. Sie changieren zwischen der Beschwörung „Allein den Betern kann es noch gelingen, das Schwert ob unseren Häuptern aufzuhalten!“ und der Diagnose eines Totalverlustes deutscher Identität. Der Ruf nach der Restitution des „Abendlandes“ wird laut!

Eine Antwort, was damals gefühlt und erdacht wurde, fällt bei einem Vergleich mit der Zeit nach dem Ende des Ersten Weltkrieges leichter, ja, ohne einen Blick zurück lassen sich die Denkbilder, Erklärungsmuster und Zukunftsentwürfe kaum angemessen einschätzen. Den Ruf nach der Rettung des Abendlandes hatte es bereits in dieser ersten Nachkriegszeit gegeben.

Dennoch wird man einen bemerkenswerten Unterschied herauslesen können, wenn die literarischen Quellen, die frühe Theaterarbeit und die kulturelle Praxis der Zeit nach 1945 in den Blick gerät.

Dieser Teil der Ringvorlesung verknüpft im Vergleich die beiden Krisenzeiten nach Beendigung der Weltkriege. Fragen nach Ausdrucksformen und Strukturen in der Kultur und nach ihrem Stellenwert für die „Bonner Republik“ erlauben dabei, Formen alter und neuer Frömmigkeit wiederzuentdecken, die kaum mehr zu unserem Selbstbild der beginnenden Demokratie gehören.